Ausstellung greift Medizinverbrechen an Kindern und Jugendlichen während der NS-Zeit auf
Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung, die am 12. August in der Marienplatz-Galerie eröffnet wird. Es ist ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, die sich als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft umfassend mit dem Nationalsozialismus und der Rolle der Kinderärzte in dieser Zeit auseinandergesetzt hat.
Die Ausstellung dokumentiert, wohin ein diktatorisches, auf Menschenverachtung beruhendes Regime am Ende führt – zur brutalen Gewalt gegenüber all jenen Bevölkerungsteilen, die nicht in das Raster einer rassistischen, elitären und gewaltbereiten politischen Ausrichtung passen. Auch in Schwerin befand sich während der Naziherrschaft mit dem Lewenberg eine Tötungsanstalt für kranke Kinder.

Bei einer Eröffnungsveranstaltung am 12. August um 18 Uhr soll an diese Kinder erinnert werden. Dr. Kathleen Haack von der Universitätsmedizin Rostock wird in einem Vorträg über Kindermorde in Mecklenburg und Pommern zwischen 1939 und 1945 sprechen. Medizinstudenten und Ärzte werden anschließend aus den Krankenakten Betroffener vorlesen.
Die Ausstellung stellt sich damit einem dunklen Kapitel der Medizingeschichte. Mehr als 5000
Kinder und Jugendliche wurden während des Nationalsozialismus in so genannten „Kinderfachabteilungen“ – eigens für die Tötung geschaffenen Einrichtungen – gequält und ermordet. Daran beteiligt waren niedergelassene Ärzte und staatliche Ämter, Krankenhäuser und wissenschaftliche Institutionen. Die Verbrechen
geschahen im Alltag, mitten in Deutschland, auf der Grundlage einer nationalsozialistischen
Rassenideologie.
Die Ausstellung ist bis zum 19. September in der Marienplatz-Galerie zu sehen.
Am 9. September findet außerdem um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema statt.